Kunstsammlung und Archiv

Leitung: Sen. Sc. Mag. phil. Cosima Rainer
 
Sammlung Kunst, Architektur, Design: Leitung Cosima Rainer und Silvia Herkt
Sammlung Mode und Textil: Leitung Stefanie Kitzberger
Universitätsarchiv: Leitung Silvia Herkt
Oskar Kokoschka Zentrum: Leitung Bernadette Reinhold
Victor Papanek Foundation: Leitung Alison J. Clarke
 
Über uns
Kunstsammlung und Archiv bilden das kulturelle Gedächtnis der Universität. Mit Ausstellungen, Publikationen, Tagungen, Kooperationsprojekten und einer digitalen Datenbank werden die Geschichte der Wiener Kunstgewerbeschule und die Gegenwart der Universität für angewandte Kunst Wien dokumentiert, thematisiert und vermittelt. Das Institut umfasst neben den Bereichen Kunst, Architektur und Design bzw. Mode und Textil das Universitätsarchiv, das Oskar Kokoschka Zentrum, sowie eine Stiftung, die dem Designer Victor Papanek gewidmet ist. 
 
Geschichte
Auch wenn die Sammlung weit bis ins 19.Jahrhundert reicht, hat sie eine erstaunlich junge Geschichte. Auf Initiative des ehemaligen Rektors Oswald Oberhuber wurde sie 1979 aus dem bestehenden Dokumentationsarchiv aufgebaut. Sie wuchs in diesem Zeitraum von 300 inventarisierten Werken auf den heutigen Bestand von über 65.000 Werken.
Seit ihren Anfängen in den 1980er Jahren widmet sich die Kunstsammlung jenen Entwicklungen und Netzwerken der Moderne, in die die Protagonist*innen der k. k. Kunstgewerbeschule eingeflochten waren. Tatsächlich war die einstige Gründungsinstitution in zahlreichen Bereichen Avantgarde: Sie setzte früh auf pädagogische Konzepte und Gestaltungsansätze, die mit den späteren Vorkursen des Weimarer Bauhauses vergleichbar waren. Ähnliches galt für die „moderne Raumkunst“, die von den Protagonist*innen der Wiener Werkstätte entwickelt wurde und auch den Ausstellungsraum als Ganzes als Gestaltungsaufgabe sah. Zudem stand das Studium an der k. k. Kunstgewerbeschule schon seit ihrer Gründung 1867 auch Frauen offen. Eine wichtige Stellung nimmt hier die Klasse "Ornamentale Formenlehre" Franz Čižeks ein, die ein Ideenlabor junger Künstlerinnen war, aus dem der sogenannte Wiener Kinetismus hervorging.
Diesen Aspekten will die Sammlung seit ihren Anfängen in Form von Ausstellungen, Publikationen, Präsentationen und Diskussionen, einem besucher*innenorientierten Archiv und einer digitalen Datenbank mehr Sichtbarkeit verleihen.
 
Dem Gründer der Sammlung, Oswald Oberhuber, ging es immer stark um eine aus der Gegenwart perspektivierte Arbeit an Geschichte und um alternative Fortschreibungen ihrer ästhetischen Narrative im Sinne einer Pluralisierung des kunsthistorischen Kanons. Künstler*innen, die in Österreich durch das Regime des Nationalsozialismus ermordet oder vertrieben wurden, rückte er wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Mit Ausstellungen und Publikationen wie Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich. Zur Kulturpolitik des Nationalsozialismus (1986) und frühen Einzelpräsentationen „vergessener“ Künstler*innen setzte er gemeinsam mit der damaligen Sammlungsleiterin Erika Patka wichtige Akzente.
Das besondere Potential der Sammlung liegt in ihrem Reichtum an unterschätzten oder marginalisierten Positionen der Kunst- und Gestaltungsgeschichte. Die kritische Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Kanon durch Gegenerzählungen und Wieder-Entdeckungen ist somit ein wichtiger Teil ihres Programms. 
 
Sammlungsbestände
Das Kraftfeld und Netzwerk einer Kunstuniversität entspricht einem Wissensspeicher, in dem sich Entwicklungen, Positionen und Gruppierungen, die für eine Zeit von Bedeutung sind, auf eine andere Art abzeichnen und „ablagern“ als in einem Museum.
Dies führt dazu, dass auch Künstler*innen, die in bestimmten historischen Situationen und öffentlichen Diskursen weniger wahrgenommen wurden, hier auf umfassende Weise wiederentdeckt werden können. Durch das Wissen um wichtige künstlerische Netzwerke und das Engagement für Nachlässe und Schenkungen stellen Kunstsammlung und Archiv auch ein plurales Korrektiv zum Kanon dar.
Derzeit umfasst der Sammlungsbestand rund 65.000 Objekte. Schwerpunkte existieren zu Fred Adlmüller, Friedrich Berzeviczy-Pallavicini, Friedl Dicker-Brandeis, Josef Hoffmann, Gertrud Höchsmann, Oskar Kokoschka, Anton Kolig, Adele List, Bertold Löffler, Elly Niebuhr, Otto Niedermoser, Oswald Oberhuber, Victor Papanek, Franz Schuster, Margarete Schütte-Lihotzky, Peter Weibel, Emmy Zweybrück, zur Kunst der Wiener Moderne und der Wiener Werkstätte, zu Werken des Wiener Kinetismus sowie zu allen Bereichen der angewandten und bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts wie Grafik, Plakate, Möbel, Textilien, Fotografie, Keramik, Malerei, Objekte und Architekturmodelle der österreichischen Moderne. Mit den historischen Sammlungen der frühen Kunstgewerbeschule und der Künstler*innen Mileva Roller und Rosalia Rothansl gehören außerdem seltene Kleidungsstücke zu den Beständen.
Die Sammlung wächst beständig weiter: 2004 integrierte Rektor Gerald Bast die Sammlung Kostüm und Mode in den Bestand der Hauptsammlung. Die prekäre Raumsituation konnte von Gerald Bast 2015 durch die Erschließung neuer Depoträume verbessert werden. Seit 2020 werden kontinuierlich Bestände des Peter-Weibel-Archivs inventarisiert. Die Werke der Sammlung werden in zahlreichen Ausstellungen in der Universitätsgalerie im Heiligenkreuzerhof sowie in Kooperationen mit österreichischen und internationalen Ausstellungshäusern und als Leihgaben präsentiert. 
 
Mit Hilfe der Archiv- und Sammlungsbestände konnten wichtige Publikationen zur Geschichte der Universität erarbeitet werden:
 
„Kunst und Lehre am Beginn der Moderne. Die Wiener Kunstgewerbeschule 1867-1918“ hrsg. von Gottfried Fliedl (1986) sowie „Kunst: Anspruch und Gegenstand. Von der Kunstgewerbeschule zur Hochschule für angewandte Kunst in Wien 1918-1991.“ hrsg. von Hochschule für angewandte Kunst in Wien (1991) und „150 Jahre Universität für Angewandte Kunst Wien. Ästhetik der Veränderung“, hrsg. von Gerald Bast, Anja Seipenbusch-Hufschmied und Patrick Werkner (2017).

Kontakt

Kunstsammlung und Archiv
Universität für angewandte Kunst Wien
Postgasse 6
1010 Wien